Deutsches Fleischermuseum

Vergangenheit

Seit seiner feierlichen Einweihung im Jahr 1984 befindet sich das erste Museum der Stadt Böblingen in einem historischen Fachwerkbaukomplex mit der Hausnummer 27 aus dem späten 16. Jahrhundert am Marktplatz. Im prachtvollen Vorderhaus (dem historischen „Vogtshaus“) präsentiert sich die Sammlung auf drei Etagen (EG., 1. Stock, 2. Stock) und im dazugehörigen Hinterhaus (der historischen „Vogtsscheune“) auf zwei Etagen (EG, 1. Stock). Das Raumprogramm hat sich seit damals im Grundsatz wenig verändert. Weitere Räume über zwei Stockwerke in der Vogtsscheune werden nicht vom Deutschen Fleischermuseum bespielt, sondern beherbergen seit 1992 die Heimatstube des Nordböhmischen Niederlandesals nicht-städtische Einrichtung. Diese war vorher im Galerie Kabinett (Dachgeschoss) des Museums Zehntscher untergebracht, davor wiederum im ehemaligen „Haus der Heimat“ an der Herrenberger Straße, heute Musikschule. Ein thematischer und inhaltlicher Bezug zum Deutschen Fleischermuseum besteht nicht.

Gegenwart

Im Erdgeschoss des Museums ist das Grundthema „Handel / Verkauf“, das vor allem mit der Präsentation von vier historischen Ladeneinrichtungen vermittelt wird. Bei Eröffnungen und anderen Veranstaltungen im Haus wird hier bewirtet, des Weiteren können hier auch kleinere Veranstaltungen stattfinden (Vorführungen, Vorträge, Lesungen etc.). In den prachtvoll mit bemaltem Sichtfachwerk gestalteten Räumen im ersten Obergeschoss wurden von Anfang an in Vitrinen die wertvollsten Stücke der historischen Sammlung des Fleischermuseums gezeigt (Zunftobjekte, Pokale, antike Stücke aus dem Handwerk, Repräsentations- und Schauobjekte, Fahnen etc…). Präsentiert wurden die Stücke in einer ungestalteten Schau, das heißt, es gab keine durchgehende Ausstellungsgraphik und kein Ausstellungsdesign. Der Fokus dieser Präsentationsform lag auf Schilderung von Pracht und Fülle der „goldenen Vergangenheit“ des Handwerks. Im 35. Jahr des Museums wurde diese Präsentation abgebaut für die Ausstellung „Moga Mobo: Das ewige Fleisch. Töten Leben Glauben“. Es wurde eine „Schatzkammer“ bzw. ein kleines „Schaulager“ eingerichtet. Es entstand ein Raum, durch dessen geschlossene Glastür die Stücke eng zusammenstehend sichtbar gemacht wurden. Die wertvollsten und historischsten Objekte der Sammlung sollten nicht gänzlich verschwinden und für die Zeit der Neukonzeption der Dauerausstellung bis zur Neuaufstellung unsichtbar im Archiv verschwinden. Im Hintergrund wird derzeit die neue Dauerausstellung des Museums konzipiert.
Im Fokus des bereits angestoßenen Prozesses einer Neuausrichtung der Dauerausstellung im Fleischermuseum soll folgendes stehen: Die bekannten und bedeutenden Schaustücke nach 35 Jahren neu zu präsentieren und mit den auratischen wertvollen historischen Stücken neue und unerwartete Geschichten neu zu erzählen. Es gilt darüber hinaus gänzlich neue Stücke in die Präsentation zu integrieren und erstmalig auftreten zu lassen. Mit dieser Darstellung können neue, spannende, unerwartete und auch durchaus „alltägliche" und „kleine" Geschichten erzählt werden. Dieser Prozess ist gestartet und wird weiter umgesetzt. Er kann unabhängig von den Entwicklungen rund um die Zehntscheuer weitergeführt und umgesetzt werden.

Im 2. Stock befindet sich die „Sonderausstellungsetage“, klassischerweise ist dieses Stockwerk Ort der Wechsel- und Sonderausstellungen des Fleischermuseums. Hier wurden seit Anfang an Themen- und Kunstausstellungen gezeigt, die entweder aus der einschlägigen Kunstsammlung des Museums zusammengestellt oder mit Leihgaben bestritten wurden. Glücksschweine, Karikaturen, unbekannte und große Namen all dies gab es hier schon. Tomi Ungerer, Janosch, Horst Haitzinger, Uli Stein sind nur einige der Namen, die hier für ein beim Stammpublikum etabliertes, erfolgreiches und beliebtes Programm stehen. Seit dem Wechsel in der Museumsleitung im Jahr 2017 wurden das Programm der Sonderausstellungen thematisch und konzeptionell neu ausgerichtet.  Ziel war es Künstlerinnen und Künstler in die Auseinandersetzung mit den Themen des Hauses zu bringen. Mit zwei Motti ist das wechselnde Ausstellungsprogramm im Museum kurz und knapp gefasst: „Zurück zum Fleisch“ & „Es bleibt lustig“.

Im Hinterhaus / Vogtsscheune befindet sich im EG der dritte Teil der Dauerausstellung. Hier werden handwerkliche Themen wie Hausschlachtung und das Wurstmachen vergangener Zeiten mit vielerlei Exponaten dargestellt. Der Raum, in welchem dies überwiegend geschieht, trägt daher den internen Spitznamen „Wurstküche“. Prachtstück der Ausstellung ist hier eine Tiertransportkutsche aus der 2. Hälfte des 19. Jhdt. Im ersten Stock der Zehntscheuer entstand 2017 das „Große Kino“ und 2020 ein „Kabinettsausstellungsraum“. Bis Herbst 2017 wurde hier in einem Raum die Geschichte der Wurst- und Fleischwarenherstellung seit dem Mittelalter dargestellt. Ein zweiter Raum vermittelte Wissenswertes über die Gewürze, die in die Wurst kommen. Beide Räume waren nicht mit Originalexponaten, sondern überwiegend nur mit reproduzierten Abbildungen ausgestattet. Diese Reproduktionen aus Sach- und Fachbüchern waren zum einen sehr in die Jahre gekommen und zum anderen nicht mehr als zeitgemäße museumspädagogische Exponate anzusehen. Im linken Raum wurde das „Große Kino“ installiert. Mit Bänken und einem wandgroßen Bildschirm gibt es nun hier die Möglichkeit dokumentarische und künstlerische Filme zu zeigen. Beides ist schon der Fall gewesen. Der Nebenraum ist seit April 2020 mit einer neuen improvisierten Beleuchtung und einem flexiblen Hängesystem aus Fleischerhaken zu einem Raum für wechselnde Kabinettausstellungen umgestaltet worden. Die erste Ausstellung, die im April 2020 beide Räume bespielt, zeigt diese Möglichkeiten sehr gut auf. „Die blutige Gudrun“ ist ein Kurzfilm des SDR von 1967 und läuft im „Großen Kino“ in Endloswiederholung. Im Nebenraum gibt es eine dokumentierende Kabinettausstellung, die die Erzählung des Filmes aufnimmt und weiterspinnt.

Zukunft

Vier Jahrzehnte Deutsches Fleischermuseum in Böblingen

Große Pläne und Vorhaben gibt’s und sehr lang ist die Wunschliste der Dinge und Projekte, die es noch bis zum Jahr 2024 abzuarbeiten gilt, damit das Deutsche Fleischermuseum ein rauschendes und wunderschönes Museumsjubiläumsfest feiern kann und im 40. Jahr seiner Existenz gut gerüstet und freudig erwartungsvoll in die Zukunft blicken kann und zum „Deutschen Fleischermuseum 4.0“ wird. Zu den Visionen und Anforderungen hierfür gehört vieles. Insbesondere die technische Ausstattung im Haus. W-Lan im ganzen Haus ist unbedingte Grundvoraussetzung für das digitale Museum der Zukunft. Die Verbesserung der Personalsituation muss außerdem angestrebt werden. Die Museums- und Haustechnik, die Fassadensanierung und Fassadenbeleuchtung, eine Verbesserung der Sicherheitstechnik und Barrierefreiheit sind zwingend notwendig. Neue Depots, Ausbau der Präsenzbibliothek sowie eine Vergrößerung der Ausstellungsfläche und die Verlagerung Museum der Nordböhmischen Niederlande aus der Vogtsscheune an einen anderen Standort sind für die Weiterentwicklung notwendig. Die Museumslehrküche (für Koch- und Grillkurse für sämtliche Altersgruppen in Zusammenarbeit mit Gastronomen, Fleischsommeliers, VHS und Schulen) wäre ein weiterer wichtiger Schritt, um das Museum hin zum Produkt zu entwickeln. Weiterhin ist eine sorgfältige Ausrichtung des Ausstellungsprogrammes nach drei Grundsätzen angedacht:

1. Fachausstellungen zu gegenwärtigen und historischen Themen für die Fachleute und die interessierten Laien
2. Kunstausstellungen für das lokale und (über)regionale Kulturpublikum, mit dem Anspruch zu bilden und zu unterhalten
3. Neue, interessante und flexible Dauerausstellung(en) für alle

Und nach den etablierten Motti des „schrägsten Hauses am Marktplatz“:
„ZURÜCK ZUM FLEISCH“    &    „ES BLEIBT LUSTIG“

Weiterführende Informationen

weitere Informationen zum Deutschen Fleischermuseum finden Sie hier:
www.fleischermuseum.boeblingen.de